Freitag, 19. Juli 2013

Biografiearbeit ist eines der wichtigsten Methoden in der pädagogischen Arbeit


Aber warum tun sich die Pädagogen so schwer?


Die Biografiearbeit ist in meinen Augen eine der wichtigsten Fortbildungen in der Behindertenhilfe (siehe Angebot auf der Homepage). Für mich persönlich ist es die Methode, die dem heutigen Wandel der professionellen pädagogischen Arbeit ihren besonderen Ausdruck verleiht. Augenfällig gibt sie einem individuellen Leben, mit allen seinen Erfahrungen, Eindrücken, Gefühlen und Wissen einen Sinn. Menschen mit einer Behinderung, werden als einmalig und unverwechselbar wahrgenommen. Der Mensch, als geistig Behinderter, wird nun nicht mehr nur als Fall oder Akte bemerkt.
Zusammengefasst stelle ich Ihnen die wichtigsten Inhalte einer Fortbildung dar:
  • Grundsätze des didaktisch-methodischer Ansatzes werden erlernt. Dabei spielt das Prinzip der offenen Didaktik eine Rolle.
  • Der Einsatz von pädagogischem Material bei den Nutzern wird erläutert.
  • Die Vorbereitung von unterschiedlichen Settings wird geübt.
  • Das Verstehen fremder Lebensgeschichten durch Fallbesprechungen im Team wird erklärt.
  • Warum die Haltung zur eigenen Biografie mit dem gezielten Zuhören bei anderen zusammenhängt, wird miteinander diskutiert.
  • Biografische Ereignisse dokumentieren, sammeln und aufbewahren. Beispiele werden dargestellt.
  • Die Auseinandersetzung mit dem eigenen persönlichen Lebensweg, wie z. B. mit Ereignissen, Umwegen, Brüchen und Hindernissen, Neuanfängen, Perspektiven und Zielen.
  • Die Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie kann sowohl individuelle Besonderheiten klären helfen als auch Anpassungsprozesse an gesellschaftliche Normen verdeutlichen.
  • Den Blick auf die verbindende Vergangenheit über die Gegenwart bis hin zur Zukunft werfen
  • Aus der Vergangenheit lernen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu planen.
  • Bewusstmachen der eigenen Biografie als Voraussetzung für das Verstehen der Wünsche und Bedürfnisse anderer.
  • Fehlinterpretationen vermeiden und kritische Situationen mit dem Nutzer meistern lernen.
  • Mithilfe von Biografiearbeit Einblick in die Ressourcen der Menschen mit geistiger Behinderung verschaffen, um den Respekt zu bewahren und die Nutzer nicht nur auf elementare Lebensäußerungen zu reduzieren.
  • Biografiearbeit als Kommunikationsmittel, um Außenkontakte zu erhalten bzw. herzustellen.
  • Reden über schöne Erinnerungen um die Nutzer-Assistent-Beziehung zu stärken und die alltägliche Arbeit zu erleichtern.
  • Und Vieles mehr!

Warum aber ist die Methode so schwer umsetzbar?

Meistens fehlt es an umfangreichen Fortbildungen und Supervision. Aber oft fehlt es auch an Wissen, wie die Methode im Alltag (Alltagsexperte) eingesetzt werden kann. Biografisches Arbeiten braucht eine Neugierhaltung der Fachkräfte und Unterstützung durch die Organisation. Biografiearbeit sollte aber nicht verwechselt werden mit bohrendem Fragen und akribischem Dokumentieren aller Lebensereignisse. Es erfordert von den Fachkräften Informiertheit, Taktgefühl, Toleranz und ruhiges Zuhören. Und die Bereitschaft von Fachkräften sich als professionelle Moderatoren weiterzuentwickeln. Selbstreflexion und Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie sind unumgänglich. Grundsätzliches Verstehen von Veränderungsprozessen gehört dazu. Der Erwerb einer biografischen Kompetenz ist hierfür notwendig. Nach einer Fortbildung fehlt es oft an lebensgeschichtlichem Material der Klienten. Häufig gibt es kaum Möglichkeit Angehörige zu befragen. Hierfür brauchen die Fachkräfte Geduld und einen Forscherdrang, um sich z. B. über einen Geburtsjahrgang zu informieren (Mode, Musik, Süßigkeiten). Die Probleme in der Durchführung entstehen meistens durch Mangel an Zeit, Raum, Personal und  Arbeitsdruck. Die allgemeine Arbeitsroutine überlagert oft den Versuch der Biografiearbeit. Die Altersunterschiede zwischen dem Nutzer und dem Assistenten sowie dessen Selbsteinbringung ist manchmal schwierig. Die Zukunftsplanung der Nutzer sollte alltagseingebunden und am Anlass orientiert sein. Häufig wird die Zukunftsplanung nicht als Teil der Biografiearbeit betrachtet. In diesem Zusammenhang als problematisch anzusehen, ist sicherlich auch der Fachkräftemangel und die oft relativ hohe Mitarbeiterfluktuation, die diese kontinuierliche Arbeit immer wieder unterbrechen.
Zur Lösung gelangt man hier mit der Entwicklung von Qualitätsstandards, eines pädagogischen Konzeptes und letztlich durch die Wertschätzung der Arbeit der Mitarbeiter durch ihre Führungskräfte. Hierbei unterstütze ich Sie gern!


www.sbtplattform.de

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